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Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte
der Arbeiterbewegung e.V.
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Mitteilungen des Förderkreises Sonderheft Mai 2006Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung< Zurück Fünfzehn Jahre FörderkreisAus dem InhaltEin Sonderheft zum Jahrestag- 15 Jahre Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung - Zur Erinnerung an die Gründung von SAPMO - Personalia: Theodor Bergmann 90, Henryk Skrzypczak 80, Jürgen Stroech 75, Günter Benser 75 - Kurt Metschies 70 - Chronik der Jahre 2001 bis 2006 Außerdem gibt es diesen Text auch als PDF zum herunterladen 15 Jahre Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung e.V.Günter Benser Im März 2006 blickt der Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung auf eine anderthalb Jahrzehnte währende Vereinsgeschichte zurück. Nachdem der Förderkreis bereits zu seinem zehnten Jubiläum sein Wirken in einer Chronik (1) dokumentiert hatte, ist nun die Zeit für eine bilanzierende Darstellung seines Entwicklungsweges gekommen.zurück nach oben Vorgeschichte und Gründe für die Bildung eines Förderkreises1990 war für eine Reihe von Archiven und Bibliotheken der DDR eine bedrohliche Situation entstanden. Die Existenz so manches Archivs und mancher Bibliothek stand auf dem Spiele, und der Verbleib und die weitere Nutzbarkeit der hier verwahrten Akten und der betreuten Literatur und der zu ihrer Erschließung erarbeiteten aussagekräftigen Findmittel und Kataloge waren ungewiss. Dies traf in besonderem Maße auf das dem Institut für Marxismus-Leninismus (IML) beim Zentralkomitee der SED zugeordnete Zentrale Parteiarchiv (ZPA) und auf die dort verwahrte Bibliothek zu. Beide Einrichtungen, in denen so manche Kostbarkeiten und Unikate aufbewahrt wurden, ergänzten sich und bedingten einander. Im Archiv war das Schriftgut der führenden Partei der DDR aufbewahrt, doch reichten die über 5000 laufende Meter Regalfläche ergebenden archivalischen Überlieferungen bis zu den Anfängen der Arbeiterbewegung zurück. Dazu zählten der Marx-Engels-Bestand, organisationseigenes Schriftgut zur Geschichte der SPD, das Historische Archiv der KPD, Nachlässe verstorbener oder noch lebender Funktionäre der deutschen Arbeiterbewegung einschließlich der SED, Sammlungen mit über 2500 Erinnerungen oder Erlebnisberichten über historische Ereignisse, Schriftgut zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der BRD sowie Bild-, Film- und Tondokumente. Die Bibliothek, die zu dieser Zeit ca. 700.000 inventarisierte bibliographische Einheiten und ca. 100.000 unbearbeitete bibliographische Einheiten umfasste, war eine der größten und wertvollsten sozialgeschichtlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Besonders ihr umfangreicher Bestand an Periodika der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, die große Zahl interner Veröffentlichungen der Parteien und Organisationen, die vielen in Verbotszeiten - besonders während der Zeit des Faschismus - illegal herausgegebenen Schriften, der Fundus an Erstausgaben und anderen Raritäten sowie private Bibliotheken von Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung einschließlich der darin enthaltenen Widmungen, handschriftlichen Anmerkungen fanden auch internationales Interesse. Somit bildeten Archiv und Bibliothek in ihrer Gesamtheit einen unverzichtbaren Fundus für die Erforschung der Geschichte der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung, und sie vereinigten die wichtigsten Quellen zu den schon bald ausufernden Untersuchungen zur DDR-Geschichte. Überdies fußte die damals vom IML Moskau und vom IML Berlin besorgte (dann von einem internationalen Gremium fortgesetzte) Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe (MEGA) wesentlich auf den in diesem Archiv und dieser Bibliothek aufbewahrten gedruckten und ungedruckten Quellen.Wie immer man die Rolle und die Arbeitsergebnisse des Berliner IML bewerten mag - das ist nicht Gegenstand dieser Darstellung -, Archiv und Bibliothek dieses Parteiinstituts waren unbedingt zu erhalten und in die sich neu zusammenfügende deutsche Archiv- und Bibliothekslandschaft einzubringen. Zwar hatte sich das IML bereits Ende 1989 in ein Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (IfGA) umgebildet, in freier Wahl einen neuen Direktor gewählt und tiefgreifende inhaltliche, strukturelle und personelle Veränderungen eingeleitet, aber auch die Zukunft dieses neuprofilierten IfGA war alles andere als gesichert. (2) Bewahrung und Fortführung dieses Kulturgutes und wissenschaftlichen Erbes mögen heute als eine Selbstverständlichkeit erscheinen, waren es aber in den turbulenten Wendejahren keineswegs. Um das geheimnisumwitterte Archiv brodelte die Gerüchteküche - dazu hatten nicht zuletzt die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten beigetragen - ein Zustand der sich erst mit der Bildung des Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung, das auf Öffnung und Transparenz setzte, geändert hatte. Die unter Fachleuten unbestrittenen reichen Bestände hatten indes auch viele - überwiegend unseriöse - Begehrlichkeiten geweckt. Auf der Suche nach einer Lösung für das unter ihrer Obhut befindliche Archiv und die damit verbundene Bibliothek hatten die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) als Nachfolgeorganisation der SED und das ihr zugeordnete Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung im März 1990 Verhandlungen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Bonn Bad Godesberg aufgenommen, die zur Bildung eines paritätischen Vereins Archiv und Bibliothek der Arbeiterbewegung führen sollten. Die PDS war bereit, in eine derartige Institution ihr Archiv und die Bibliothek einzubringen. Obwohl schon konsensfähige Entwürfe einer Vereinssatzung und eines Einbringungsvertrages vorlagen, zogen sich die Verhandlungen in die Länge und drohten zum Erliegen zu kommen. Das Schicksal der wertvollen Überlieferungen war höchst ungewiss; es drohte die Gefahr der Zerstückelung, ja des Untergangs historisch gewachsener Bestände. So schien es Anfang 1991 geboten, die bereits in den Verhandlungen zwischen PDS/IfGA und Friedrich-Ebert-Stiftung entstandene Idee der Schaffung eines Förderkreises in die Tat umzusetzen. Damit sollte den ins Stocken geratenen Bestrebungen zur Bildung des Vereins Archiv und Bibliothek der Arbeiterbewegung stärkerer Rückhalt aus den Kreisen der Forscher, der Archivare und Bibliothekare des In- und Auslandes verschafft, die konstruktive Diskussion um tragfähige Lösungen befördert und vertrauensstiftend auf Depositare eingewirkt werden. zurück nach oben Die Gründung des FörderkreisesEin am 5. und 6. März 1991 vom IfGA mit internationaler Beteiligung durchgeführtes Rosa-Luxemburg-Kolloquium bot eine willkommene Möglichkeit, anwesende Persönlichkeiten für das Unternehmen "Förderkreis" zu gewinnen. Kurz entschlossen luden die neue Leiterin des ZPA Dr. Inge Pardon, der Leiter der Bibliothek Dr. Jürgen Stroech und der Direktor des IfGA Prof. Dr. Günter Benser interessierte Teilnehmer des Kolloquiums zu einer Beratung in Sachen Förderkreis ein. So wurde am 6. März 1991 beschlossen, einen Verein zu gründen, der die Bemühungen um die Bewahrung des Zentralen Parteiarchivs der SED/PDS und der Bibliothek des IfGA unter einer neuen Trägerschaft wirkungsvoll unterstützt. Es wurde die Satzung des Vereins Förderkreis Archiv und Bibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. angenommen. In den Vorstand des Vereins wurden gewählt: Dr. Henryk Skrzypczak (Vorsitzender), Elrun Dolatowski (stellv. Vorsitzende), Lothar Hornbogen (Kassenwart), Prof. Dr. Hermann Weber (Beisitzer) Dr. Helmut Trotnow (Beisitzer), Prof. Dr. Klaus Kinner (Kassenprüfer), Dr. Ulrich Catarius (Kassenprüfer). Zu den Mitbegründern gehören ferner Prof. Dr. Günter Benser, Prof. Dr. Heinrich Gemkow, Prof. Narihiko Ito, Dr. Jürgen Stroech. Als Vorstandsberater stellen sich in den folgenden Monaten zur Verfügung: Prof. Dr. Dr. Francis L. Carsten (London), Prof. Dr. Jakow S. Drabkin (Moskau), Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Engelberg (Berlin), Prof. Dr. Harold Hurwitz (Berlin/South Wellfleet, Mass.), Prof. Dr. Helmut Konrad (Graz), Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Kuczynski (Berlin), Prof. Wolfgang Leonhard (Manderscheid/Eifel), Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Markow (Leipzig), Hofrat Dr. Dr. h.c. Rudolf Neck (Wien), Prof. Dr. Masao Nishikawa (Tokio), Prof. Dr. Feliks Tych (Warschau). Auch Prof. Dr. Theodor Bergmann unterstützte die Anliegen des Förderkreises und trat ihm bei.Mit einer solchen Fülle von Namen soll der Leser künftig nicht mehr konfrontiert werden, doch schien es geboten, an dieser Stelle das breite - auch internationale - Interesse an diesem Archiv und an dieser Bibliothek hervorzuheben und wenigsten einige jener angesehenen Historiker, Archivare und Bibliothekare zu würdigen, die sich für deren Erhalt eingesetzt haben. Mit Fug und Recht läßt sich festhalten, dass sich im Förderkreis früher als damals üblich, sachkundige und engagierte Leute aus Ost und West zu gemeinsamem Handeln zusammengefunden hatten, wofür dem ersten Vorsitzenden des Vereins Dr. Henryk Skrzypczak ein besonderes Verdienst zukommt. Als vordringlichster Vereinszweck war in der Satzung des Förderkreises hervorgehoben: "Die gemeinsam zwischen Vertretern der PDS und der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. beabsichtigte Gründung eines parteipolitisch neutralen, wissenschaftlichen Trägervereins, in den das Archiv und die Bibliothek im Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (IfGA) eingebracht werden, fördernd zu begleiten" und die Geschlossenheit der derzeitigen Bestände in Berlin zu sichern. Zugleich wollte der Verein das Erbe der Arbeiterbewegung pflegen und die Interessen von Nutzern des Archivs und der Bibliothek vertreten. Mitglieder des Vereins konnten juristische Personen des öffentlichen und privaten Rechts oder andere Unternehmen und natürliche Personen sein, die bereit sind, den Vereinszweck zu fördern. In der Praxis blieb es jedoch bei individuellen Mitgliedschaften. Die Modalitäten des Vereinslebens entsprechen den üblichen durch das Vereinsrecht grundsätzlich vorgegebenen Regularien gemeinnütziger Vereine. Am 8. Januar 1992 wurde der Förderkreis beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg unter der Nummer 11689 Nz ins Vereinsregister eingetragen. In den letzten Jahren wurde dem Förderkreis regelmäßig vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit bestätigt. zurück nach oben Die ersten Schritte des FörderkreisesDie erste - von März 1991 bis März 1992 reichende - Entwicklungsperiode des Förderkreises war die dramatischste und auch gewichtigste Etappe der Vereinsgeschichte. Sie beginnt mit der Vereinsgründung und endet mit der Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch).Nach kurzer Zeit zählte der Förderkreis über 300 Mitglieder, unter ihnen Depositare, Wissenschaftler, Archivare und Bibliothekare aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Staaten. Er schaltete sich in die Auseinandersetzungen um die Herausbildung neuer Strukturen im Archiv- und Bibliothekswesen ein. Da sich bald herausstellte, dass nicht nur die im IfGA behüteten Bibliotheks- und Archivbestände gefährdet waren, sondern zahlreiche Überlieferungen mit DDR-Provenienz unterzugehen drohten, sah sich der Förderkreis in einer generellen Verantwortung. Dem trug er auch dadurch Rechnung, dass er am 16. November 1991 auf seiner ersten Jahresmitgliederversammlung seinen Vereinsnamen erweiterte und sich nun Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung nannte. Er war bemüht, die staatlichen und gesellschaftlichen Verantwortungsträger in die Pflicht zu nehmen, berechtigte Anliegen von Einbringern und Mitarbeitern der betroffenen Archive und Bibliotheken zur Geltung zu bringen und Interessen von Forschern und Publizisten zu vertreten. Zur Information der Mitglieder und mit Blick auf eine breitere Öffentlichkeit begann der Verein mit der Herausgabe von "Mitteilungen des Förderkreises", deren erste Nummer im März 1992 erschien. Diese "Mitteilungen", in denen seit 1995 auch die Protokolle der Jahresmitgliederversammlungen und seit 1997 die jährlichen Geschäftsberichte des Vereins abgedruckt sind, werden an die Mitglieder kostenlos versandt. Von anderen Interessenten, zu denen inzwischen eine Reihe renommierter Bibliotheken und Forschungsinstitute gehören, können sie gegen Erstattung der Schutzgebühr und der Versandkosten bezogen werden. Orientiert an Traditionen und Gepflogenheiten der Arbeiterbewegung, Modelle skandinavischer Länder vor Augen, favorisierte der Förderkreis in seinen Bemühungen um die Rettung des im IfGA angesiedelten Zentralen Parteiarchivs der SED und der Bibliothek ursprünglich eine öffentlich-rechtliche Lösung, wie sie in Absprachen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung auf gutem Wege zu sein schien. Dieses Projekt kam jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Ausführung. Nur andeutungsweise sei hier erwähnt, welche Argumente damals vorgetragen wurden : Obwohl sachkundige Abwägungen dagegen sprachen, vertraten einflussreiche Personen aus Politik und Wissenschaft den Standpunkt, angesichts der dominanten Stellung der SED im Staate DDR handle es sich bei deren Überlieferungen nicht um Organisations- sondern um staatliches Schriftgut, das rechtmäßig dem Bund zufalle, weshalb die PDS keine Eigentumsrechte besitze und ihr auch keinerlei Mitspracherecht zukomme. Nach solchen Interpretationen hatte die vom Förderkreis unterstützte Bildung eines paritätischen Vereins Archiv und Bibliothek der Arbeiterbewegung keinerlei Chance. In der SPD wuchsen offenbar die Bedenken gegen eine Konstruktion, die eine vertragliche Vereinbarung mit der PDS erforderte. Zudem wurde immer deutlicher, dass ein Archiv und eine Bibliothek dieser Dimension einen Finanzbedarf hatten, wie er eigentlich nur vom Staatshaushalt geschultert werden konnte. Der Förderkreis sah seine vordringliche Aufgabe darin, in Wort und Schrift, auf Pressekonferenzen, in Denkschriften und durch Einladung von Abgeordneten des Deutschen Bundestages und anderen Entscheidungsträgern gegen die sich immer wieder offenbarende Unkenntnis des Charakters und des Wertes des umstrittenen Archivs und der Bibliothek anzugehen, über deren Sein oder Nichtsein die Entscheidung letztlich bei ihnen lag. Erwähnt sei die Pressekonferenz des Förderkreises vom 8. April 1991. In ihrem Gefolge besuchte der Berliner Korrespondent der einflussreichen Frankfurter Allgemeinen Zeitung Archiv und Bibliothek. In einem viel beachteten Artikel, der zur Versachlichung der Debatte beitrug, plädierte Peter Jochen Winters für den Erhalt von Archiv und Bibliothek in Berlin. Als sehr hilfreich erwies sich, dass sich der damalige Präsident des Bundesarchivs Prof. Dr. Friedrich P. Kahlenberg und sein Stellvertreter Dr. Klaus Oldenhage, der die von der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesministerium des Innern (UKPV) eingerichtete Projektgruppe Archive leitete und auch im Förderkreis mitwirkt, den engen, sich gegenseitig ergänzenden Zusammenhang von Archiv und Bibliothek und deren Sammlungen erkannten und sich stets für sachgerechte Lösungen engagierten. So konnte auch die abwegige Vorstellung widerlegt werden, die Bestände des Archivs ließen sich trennen in Organisationsschriftgut im engeren Sinne und in Schriftgut, das seinem Charakter nach staatliches Schriftgut sei und mithin nun per Einigungsvertrag der Bundesrepublik gehöre. Der Förderkreis darf sich anrechnen, dass seine beharrliche Aufklärungsarbeit erheblich dazu beigetragen hat, realitätsferne, von politisch-ideologischen Motiven geleitete Vorstöße abzuwehren. Der Schaden, der durch das Auseinanderreißen historisch gewachsener Überlieferungen und genetisch miteinander verbundener Bestände für das Archiv- und Bibliothekswesen und damit für die historische Forschung entstanden wäre, lässt sich nicht ermessen. Nach einer Anhörung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages, auf der auch der Vorsitzende des Förderkreises seinen Standpunkt begründen und seine Argumentation vortragen durfte, wurde eine Konstruktion gefunden, die sich letztendlich durchsetzte und bis zur Stunde bewährt: eine unselbständige Stiftung unter Verwaltung des Bundesarchivs. Am 23. Januar 1992 nahm der Deutsche Bundestag den Entwurf des Gesetzes zur Änderung des Bundesarchivgesetzes an, das am 13. März 1992 ausgefertigt und im Bundesgesetzblatt verkündet wurde. Es sah die Errichtung der "Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv" als eine unselbständige Stiftung des öffentlichen Rechts durch Erlass des Bundesministers des Innern vor. Damit war den Bestrebungen und Aktivitäten des Förderkreises eine neue, gesetzlich verbindliche Grundlage gegeben. Wenn in den Turbulenzen des deutschen Einigungsprozesses auf diesem Felde der Auseinandersetzung nicht politische Borniertheit, Unverstand oder Raffgier obsiegten, sondern tragfähige, sich in der Praxis bewährende Lösungen gefunden wurden, so hat der Förderkreis zu diesem Erfolg sein Teil beigetragen. Nach und nach fanden über Einbringungsverträge die Archive der SED, der NDPD, der DBD und der meisten Massenorganisationen der DDR - so vor allem des FDGB, der FDJ, des DFD, der VdgB, der DSF, des Kulturbundes und des Nationalrates der Nationalen Front - Eingang in die Stiftung wie auch die mit ihnen eng verbundenen Bibliotheken. Hingegen gelangten das Archiv der CDU (Ost) handstreichartig nach St. Augustin in das Archiv für Christlich-Demokratische Politik in der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, das Archiv der LDPD nach Gummersbach in das Archiv des Deutschen Liberalismus in der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Aufnahme in die Stiftung - und auch dafür hatte sich der Förderkreis beharrlich eingesetzt - fand auch die im Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung verwahrte Bibliothek. Dass eine derartig große Bibliothek in das Bundesarchiv gelangte, war alles andere als eine Selbstverständlichkeit, denn strenggenommen überstieg dies Zuständigkeit und Aufgaben eines Archivs. Gleichwohl hat sich diese Entscheidung als richtig und günstig erwiesen. Die in der SAPMO-BArch zusammengeführten Bibliotheken und Sammlungen nehmen mittlerweile die Stellung einer Art Zentral- und Leitbibliothek für das gesamte Bundesarchiv ein. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Bestände erschließen sich günstige Möglichkeiten, kombiniert in Akten wie in Amts- und Organisationsschriften zu recherchieren und diese an einem Ort einzusehen. Wiederholt sah sich der Förderkreis mit der Tatsache konfrontiert, dass das umstrittene Zentrale Parteiarchiv in eine Weise in die politischen Auseinandersetzungen hineingezogen wurde, die einer sachgerechten Entscheidung über seinen künftigen Platz überaus abträglich war. Als die politische Strafverfolgung von Amtsträgern der DDR einsetzte, verstand es sich von selbst, dass die Staatsanwaltschaft für ihre Anklagen - wie berechtigt sie immer auch sein mochten - Dokumente aus dem Zentralen Parteiarchiv heranzog. Und die Leitung dieses Archivs unterstützte die Recherchen der Ermittler nach bestem Wissen und Gewissen. Obwohl diese seit Monaten in einem eigens für sie eingerichteten Arbeitsraum tätig waren und alle sie interessierenden Materialien vorgelegt bekamen, wurde eine provokative Aktion gestartet, die sich nur als politische Einschüchterungskampagne erklären läßt und in der Geschichte des Archivwesens ohne Beispiel ist. In den frühen Morgenstunden des 31. März 1992 besetzten drei Hundertschaften Polizei und 50 Kriminalbeamte das Gebäude des IfGA und des Verbundes Archiv/Bibliothek/Technische Werkstätten in der Wilhelm-Pieck-Straße 1, angeblich um 15 Staatsanwälten, die doch längst über jeden gewünschten Zugang verfügten, die Suche nach Belastungsmaterial für Prozesse gegen die politische Führung der DDR zu ermöglichen. Im Namen des Förderkreises verurteilte dessen Vorsitzender Dr. Henryk Skrzypczak diesen Willkürakt aufs schärfste und richtete in Protestschreiben an den Bundespräsidenten, die Präsidentin des Bundestages und den Bundeskanzler die dringende Bitte um Intervention. Auseinandersetzungen um die Ausgestaltung der neuen Strukturen und um Einflussmöglichkeiten des FörderkreisesIn der folgenden Entwicklungsetappe, die sich bis in das Jahr 1994 hinzog, war der Förderkreis bemüht, seine Überlegungen in die Entstehungsphase der neuen Stiftung einzubringen. Es ging ihm nicht nur um die Bewahrung der Bestände, sondern auch um deren Nutzbarkeit. Im Archivbereich richtete sich das Interesse der Mitglieder des Förderkreises vor allem auf den generellen Zugang zu allen Akten ohne Sperrfristen, in der Hoffnung,
dass dies auch auf andere Überlieferungen ausstrahlen werde, damit die Geschichte der deutschen Zweistaatlichkeit auf einer umfassenden Quellengrundlage erforscht werden kann. Die Ost-West-Schieflage im Zugang zu den Quellen besteht jedoch trotz dieser Bemühungen bis heute fort. Für die Bibliothek ging es vor allem darum, diese nicht als abgeschlossene Archivbibliothek zu behandeln, sondern ihr auch Mittel für Neuerwerbungen in den traditionellen Sammelgebieten und für die Wahrnehmung neu hinzukommender Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Bleibende Aufgaben des Förderkreises und Schwerpunkte seiner TätigkeitMit der Konsolidierung der Stiftung trat der Förderkreis in seine dritte, bis heute währende Entwicklungsetappe ein. Das wichtigste Anliegen des Vereins - die Bewahrung und Fortführung von Archiven und Bibliotheken - hatte eine vertretbare Erfüllung gefunden. So stellte sich die Frage, ob der Förderkreis seine Mission als beendet betrachten und sich auflösen, oder ob er fortbestehen sollte. Bereits auf seiner 3. Jahresmitgliederversammlung vom 4. Dezember 1993 hatten sich die Versammlungsteilnehmer mehrheitlich für den Fortbestand und die Aktivierung des Förderkreises ausgesprochen, um über die Einhaltung der getroffenen Regelungen zu wachen, das Vertrauensverhältnis zwischen Einlegern und Stiftung zu befördern, die Interessen von Mitgliedern und anderen Nutzern von Archiv und Bibliothek zu vertreten sowie durch Öffentlichkeitsarbeit zur Verbreitung neuer Forschungsergebnisse beizutragen. Diese Position wurde von der 9. Jahresmitgliederversammlung am 8. April 2000 bekräftigt. Zwar ist die Zahl der Mitglieder im Laufe der Jahre spürbar geschrumpft, aber der Kern der ehrenamtlich Tätigen hat zu jeder Zeit dafür gesorgt,
dass der Verein seinen selbstgestellten Aufgaben gerecht und sein Bekanntheitsgrad vergrößert wird. So konnten auch die anfangs bewusst niedrig angesetzten Mitgliedsbeiträge aufrechterhalten werden. Sie betragen zur Zeit 12 Euro im Jahr. So schaut der Förderkreis Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung e.V. nunmehr auf einundeinhalb Jahrzehnte intensiver und produktiver Arbeit zurück, durch die er sich einen festen Platz in der mit Archiven und Bibliotheken verbundenen und der Geschichte der Arbeiterbewegung verpflichteten deutschen Vereinslandschaft erworben und in Fachkreisen auch einen internationalen Bekanntheitsgrad erlangt hat. In einschlägigen Verzeichnissen von Einrichtungen, Institutionen und Vereinen aufgeführt, ist der Förderkreis nicht selten als Ansprechpartner gefragt. Der Vorstand ist sich dennoch bewusst, dass die Zukunft des Förderkreises nicht nur vom Engagement seiner aktiven Vereinsfunktionäre und der sie unterstützenden Mitglieder abhängt, sondern längerfristig nur gesichert ist, wenn es gelingt neue, jüngere Mitstreiter zu gewinnen, die das begonnen Werk weiterführen. |